Interview mit Tessa Richter (Coach und Beraterin OTP), welche seit 2010 in den Bereichen Outplacement, Career Coaching, Leadership Coaching und Assessment arbeitet.

Ihre KundInnen schätzen ihre breite Erfahrung, ihre fundierten Kenntnisse des Arbeitsmarktes und des Bewerbungsprozesses sowie ihre persönliche Empathie. Sie kann ihre KlientInnen stets motivieren, die notwendigen Schritte zu einer erfüllenden neuen Stelle erfolgreich zu gehen.

In den letzten 10 Jahren hat sich im Outplacement-Coaching vieles verändert. Wir haben mit Tessa Richter diese Zeit gemeinsam Revue passieren lassen und auf Ihre Erfahrungen und Erfolge zurückgeblickt. 

Damals 20, heute über 200 Bewerbungen auf eine Stelle

«Der Arbeitsmarkt ist sehr viel anspruchsvoller geworden. Es gibt keine Standardbewerbungen mehr. Jede Bewerbung muss passgenau auf die offene Stelle zugeschnitten sein. Über 200 Bewerbungen auf eine Stelle ist heute keine Seltenheit mehr. Deshalb müssen Bewerbungen heute genau ins gesuchte Profil passen, um von Rekrutern und den digitalen Selektionsprogrammen als interessant erfasst und weiterbearbeitet zu werden. Unser Ziel ist mit dem Klienten nur irgendeine Stelle zu finden, sondern die Bestmögliche»

Heute geht alles etwas schneller!

«Früher konnte man annehmen, dass die rekrutierende Person Schlüsse zur Eignung auch für Aufgaben zieht, die man noch nie gemacht hatte. Heute ist dafür keine Zeit! Ich muss klar belegen, dass ich die geforderten Kompetenzen mitbringe. Wozu Bewerbende allenfalls fähig sein könnten, ist heute im Vergleich zu früher schnell zweitrangig.» 

Die Strategie!

«Früher wurde man auch ohne perfekte Unterlagen zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Der «analoge» Stellenmarkt funktionierte damals offener. Heute sind der Lebenslauf und die präzise Darstellung des beruflichen Werdegangs mit dem Ausweisen aller relevanten Kompetenzen zentral geworden. Deshalb ist es wichtig, seine Kompetenzen zu (er-) kennen und optimal darzustellen. Mit diesem Kompetenzportfolio wird gemeinsam mit dem Coachee ein Suchbereich erarbeitet und am Arbeitsmarkt überprüft, was zu seiner zielführenden Bewerbungsstrategie führt. Vieles funktioniert nur noch digital über Online-Bewerbungsplattformen und Social Media. Wenn wir jeweils den Lebenslauf mit unseren KlientInnen überarbeitet und neu ausgerichtet haben, werden sie plötzlich zu vielen Gesprächen eingeladen. Auch hier hilft unser umfassendes Career-Review, worin wir z.B. mit Führungskräften ihr Führungsverhalten reflektieren und gegebenenfalls neu ausrichten. Auch Vorstellungsgespräche verlaufen heute vermehrt in digitaler Form. Man muss sich vorher überlegt haben, was für den Gesprächspartner wichtig ist, und die neue Situation geübt haben. Dank der Digitalisierung sind bis zu 5 Online-Gespräche je Stelle keine Seltenheit mehr.»

Ohne digitale Kompetenz kein Bewerbungserfolg

«Automatic Tracking Systeme (ATS)» sind digitale Auswahlprogramme, welche heute von vielen, auch mittelgrossen Firmen, bei online Bewerbungen eingesetzt werden. Sie bilden eine neue Hürde für die Bewerbenden, die es zu kennen gilt! Wir geben hier unser Knowhow weiter, damit die Bewerbung alle «Filter» übersteht und auch ankommt.»

Networking ist heute digital!

«Dank LinkedIn etc. können wir nun auch in digitaler Form in Kontakt treten und bleiben. Diese Art von Networking hat stark an Bedeutung gewonnen, egal auf welcher Stufe. Das digitale Netzwerken erhöht die Visibility von Stellensuchenden am Arbeitsmarkt deutlich. Trotzdem müssen diese Kontakte – wie auch früher – regelmässig gepflegt und begrüsst werden». 

Ohne Social Media weniger Erfolgschancen auf dem Arbeitsmarkt

«Der Umgang mit Social Media ist sehr unterschiedlich – je nachdem wie intensiv Stellensuchende in ihrer Arbeit schon damit in Berührung gekommen sind. Das ist nicht immer eine Altersfrage. Manche tun sich im Umgang mit Social Media heute noch schwer, sehen nur die Nachteile. Ein optimales Profil auf LinkedIn und das kontinuierliche Erweitern des beruflichen Netzwerkes bilden hier eine wesentliche Grundlage für den Sucherfolg»

Arbeitsmarkt für Ü50 – ja!

«Die Chancen vieler Ü50 Jährigen werden oft falsch eingeschätzt. Ich betreue viele KlientInnen dieser Altersgruppe, die dank meiner Unterstützung ihre langjährigen Erfahrungen und ihre Vorzüge (z.B. Gelassenheit, anderer Umgang mit Konflikt- oder Problemsituationen) erkennen und zielführend darstellen. Das Wichtigste ist, seinen Wert selbst zu kennen, sich marktkonform zu bewerben, und nicht in Konkurrenz mit 30-Jährigen treten zu wollen». 

Hürde der Digitalisierung für über 50-jährige Stellensuchende 

«Wenn man die Technologie richtig einsetzt, kann man sie immer für sich nutzen. Ich begleitete kürzlich einen über 60jährigen Klienten, welcher mit Social Media nicht vertraut war. Dank meiner Unterstützung und Beharrlichkeit erkannte er rasch den Mehrwert und hat in seinem Alter in Rekordzeit eine spannende neue Stelle gefunden. Somit zeigt sich, dass die Digitalisierung im Outplacement auch Vorteile für unsere KlientInnen bringt.»

Vor 10 Jahren gab es keine Corona-Pandemie 

«Heute finden Bewerbungsgespräche zunehmend online statt und das bedeutet neue Herausforderungen: Wie präsentiere ich mich am besten in einem Videocall? Was soll im Hintergrund sichtbar sein? Wie lange dürfen meine Antworten sein und auf welche Zeichen bei meinem Gegenüber sollte ich achten? Gerade hier sind unsere Praxiserfahrungen ein Schlüsselfaktor für den Erfolg im Gespräch»

Die «Lebensstelle» gibt es nicht mehr! 

«Stellenprofile verändern sich und die Verweildauer am Arbeitsplatz wird kürzer. Auf Konzernebene weiss man um die Schnelllebigkeit, mit der Menschen heute bereit sind, sich zu verändern. Anders bei KMU. Es gibt noch die Menschen, die 20-30 Jahre in der gleichen Firma gearbeitet haben und dann unerwartet den Job verlieren. Hier geht es darum, das negative Selbstbild beim Verlassen der Firma zu verändern. Wichtig ist die Feststellung, dass heute jede/r in seiner/ihrer beruflichen Laufbahn mehrmals die Stelle wechselt. Das gehört in unserer Zeit dazu und man ist deswegen nicht negativ gebrandmarkt. Im Gegenteil: heute wird es als positiv gewertet, wenn man immer wieder die Stelle wechselt. Es zeigt Eigeninitiative.»

Der Druck steigt 

«Durch das schnellere Tempo der Veränderung, der Digitalisierung und der Veränderungen wegen Corona, herrscht viel mehr Druck im Berufsleben. Das führt, laut aktuellen Studien (und auch meinen Erfahrungen mit KlientInnen) zu mehr psychischen Problemen (Burnout, Erschöpfungs- und Angstzustände). In meiner Beratungstätigkeit ist es sehr wichtig geworden, über diese Themen zu sprechen und sie in den Prozess miteinzubeziehen. Es ist wichtiger denn je, ein neues Umfeld zu finden, welches wirklich zur Person, ihren Fähigkeiten, Erfahrungen und Werten passt. So ist es möglich, einen erheblichen Teil des Stresses und Drucks zu reduzieren. Dazu gehört auch das Thema: wie kann ich in Zukunft mit schwierigen, herausfordernden Situationen besser umgehen».

Best-fit: Eine persönliche “Erfolgsstory”!

«Unsere Potenzialanalyse eines Ingenieurs aus der ICT Branche brachte hervor, dass er sich nach seinem firmeninternen Coaching nicht das gewünschte „sozialere“ Verhalten aneignen konnte. Früh stellte ich fest, dass er die besondere Fähigkeit hat, sowohl grosse Zusammenhänge als auch Details einer Situation zu erkennen. Das machte ihn als Projektleiter bei seinem damaligen Team nicht beliebt, da er auch alle Fehler direkt sah und aufzeigte. Gemeinsam erstellten wir einen nachhaltigen OTP Karriere-Masterplan ©, welcher sein Entwicklungspotenzial wie auch seinen Best-fit aufzeigte. Schnell wurde klar, dass er als Auditor in einer Beratungsfirma am richtigen Platz sein würde. Hier wäre er unter Gleichgesinnten und könnte seine spezielle Fähigkeit sinnvoll und wertgeschätzt einsetzen. Innerhalb weniger Wochen nach dieser Erkenntnis bekam er genau diese Stelle. Einige Monate später meldete er sich bei mir, er sei sehr glücklich, dass er dank unserer Unterstützung die für ihn bestmögliche Stelle und auch im Team neue Freunde gefunden hat. Er ist dem ehemaligen Arbeitgeber für diese Unterstützung sehr dankbar. Dies ist ein wichtiger Mehrwert für unseren Auftraggeber».

 

 

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